Gutes-Leben-miteinander
philosophisch-ethische Begleitung
Aktuelles:
Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg. Mahatma Gandhi
Philosophisch-ethische Aktion "Weltbewohnerausweise"
Aufruf zu Solidarität mit allen Menschen und der gesamten Mitwelt,
Entwicklung zu einem Bewußtsein einer einzigen gemeinsamen Heimat als Bewohner der Erde!
Ethische Aktion "Weltbewohnerausweise ausstellen!" am kommenden Samstag, den 20. Juni am Theresienplatz
in Höhe der Sparkasse.
Mitgefühl und Solidarität sind die wesentlichen Eigenschaften von uns Menschen. Daran zu erinnern, ist heute besonders
notwendig. In einer Zeit, in der uns immer wieder von verschiedensten Seiten erzählt wird, dass wir als Einzelne und als
Staaten Konkurrenten sind und der Stärkere, Mächtigere und Skrupelloseste der Gewinner ist. Mitgefühl, Solidarität
und eine tiefe Verbundenheit mit allem Leben sind tief in uns angelegt, wie wir bei Kindern beobachten können, bevor
sie von Erwachsenen eines "Besseren" belehrt werden. Gegen diese innerste Anlage zu handeln entmenschlicht uns.
Nicht ohne Grund wird vor militärischen Auseinandersetzungen zur Vorbereitung der vermeintliche Feind entmenschlicht,
als Un-Mensch und Schädling bezeichnet, der ausgetilgt werden muss, um die Tötungshemmung zu überwinden.
Die ethische Aktion "Weltbewohnerausweise ausstellen" soll darauf hinweisen und zu einem Bewusstsein anregen, dass
alle Menschen Teil einer Schicksalsgemeinschaft sind, in einer Lebenswelt, untrennbar und voneinander abhängig.
Während der Aktion lese ich aus Schriften von Menschen aus aller Welt zu den Themen Freundschaft und Verbundenheit
- Worte in den Wind gesprochen - und lade dazu ein, zuzuhören, mitzudenken und mitzufühlen und eigene Gedanken mit
einzubringen.
Philosophisch-ethische Aktion am Donnerstag, 23.04. um 18:00 Uhr am Mahnmal am Hagen zur
Erinnerung an den Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau. In der Nacht zum 24. April 1945
lagerten mehrere tausend KZ-Häftlinge auf ihrem erzwungenen Deportationsmarsch aus dem
Konzentrationslager Flossenbürg nach Dachau auf dem Platz am Hagen in Straubing. Vor 30 Jahren
wurde an der Stelle ein Mahnmal errichtet, das die Gräueltaten der Nationalsozialisten darstellt, die an
den KZ-Überlebenden in den letzten Kriegstagen verübt wurden.
Die Lesung während der philosophisch-ethischen Aktion ist aus dem Buch "... trotzdem ja zum Leben sagen-
Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager" von Viktor Frankl. Er wurde am 26. März 1905 in Wien geboren
und verstarb am 2. September 1997.
1937 eröffnet er eine Facharztpraxis für Neurologie und Psychiatrie in Wien.
1940 erhält Frankl die Leitung der Neurologischen Station am Rothschild-Spital, in dem nur jüdische Patienten
betreut werden. Dort sabotiert er unter Lebensgefahr die von den Nazis angeordnete Euthanasie von „Geisteskranken“
mittels falscher Diagnosen in seinen ärztlichen Gutachten.
Im September 1942 werden Viktor Frankl und seine Frau verhaftet und gemeinsam mit seinen Eltern in das Ghetto
Theresienstadt gebracht. Seine Schwester Stella ist zuvor nach Australien entkommen und sein Bruder Walter
befindet sich auf der Flucht in Italien. In Theresienstadt stirbt der Vater nach einem halben Jahr an Erschöpfung.
Viktor Frankl, seine Frau Tilly und knapp danach seine 65-jährige Mutter werden in das Vernichtungslager
Auschwitz deportiert. Die Mutter wird sofort in der Gaskammer ermordet, seine Frau nach Bergen-Belsen gebracht,
wo sie mit 24 Jahren stirbt. Viktor Frankl wird über Wien nach Kaufering und Türkheim (KZ-Außenlagerkomplex
Kaufering) deportiert.
Am 27. April 1945 wird er von US-Truppen befreit und kehrt im August nach Wien zurück. Dort erfährt er vom Tod
seiner Frau, seiner Mutter und seines Bruders, die in Auschwitz umgebracht wurden.
Gedanken zum Weiterdenken und miteinander sprechen:
"Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
Diese Aussage von Albert Schweitzer macht deutlich, wie verbunden alles Leben ist.
Leben ist nur im Miteinander möglich. Dieses Miteinander schließt alle Lebewesen,
alles Lebendige mit ein.
Was heißt für mich "ein gutes Leben"? Was brauche ich dazu und was hindert mich daran?
Diese Fragen sollten wir uns im Alltag viel öfter stellen und miteinander darüber reden.
Anregung zum Nachdenken können uns "Lebensmodelle" aus verschiedensten Teilen der Welt
sein:
Zum Beispiel:
Ubuntu, Buen Vivir (Gutes Leben), Sorgeökonomische Modelle, Matriarchale Gemeinschaften,
Staatsziel Glück in Bhutan, philosophische Askese, um nur einige zu nennen.
Link zum Dokument Erd-Charta: Erdcharta_Webversion.pdf
Die Erd-Charta, koordiniert von M. Gorbatschow und einer Gruppe von etwa 20 Personen unterschiedlicher Herkunft
(ich hatte die Ehre, daran teilzunehmen), hat über Jahre hinweg alle sozialen Schichten befragt, um solche Prinzipien
und Werte zu identifizieren. Das Ergebnis ist ein Dokument von großer Schönheit und Tiefe, das im Internet gelesen
werden kann. Es wurde 2003 von der UNESCO angenommen und schlägt neben anderen pädagogischen Zwecken vor,
die Grundlagen für einen globalen Gesellschaftsvertrag zu schaffen. Heute wird es in vielen Ländern verbreitet und
studiert und schafft einen neuen Geist in Bezug auf die Erde und das Leben. Der Tag wird kommen, an dem es die
Grundlage für das sein könnte, was wir dringend anstreben: einen globalen Gesellschaftsvertrag, der allen ein gutes
Leben und ein Zusammenleben im gemeinsamen Haus garantiert. Leonardo Boff
Erd-Charta_Deutsch_2022_02.pdf
Beispiel Buen Vivir (Gutes Leben):
https://www.bundjugend.de/buen-vivir/
Buen Vivir - Das gute Leben
Das Konzept des Buen Vivir (das Gute Leben) beruft sich auf Wertvorstellungen und die Philosophie der indigenen Kulturen
der Andenländer. Es versteht sich als alternatives Entwicklungskonzept, welches die westlich geprägten Vorstellungen von
Fortschritt und Wohlstand sowie die vorherrschenden Entwicklungsmodelle in Frage stellt. Die indigenen Weltanschauungen
Südamerikas sind im Gegensatz zu diesen nicht linear orientiert und widersprechen somit der Ausrichtung der menschlichen
Entwicklung auf andauerndes Wachstum. Die Ansammlung materieller Güter ist nicht der entscheidende Faktor für das
Buen Vivir. Zentrale Werte sind stattdessen Wissen, soziale und kulturelle Anerkennung, Ethik und Spiritualität. Das Ziel ist
nicht „mehr haben“, sondern ein Gleichgewichtszustand im Guten Leben.
Die grundsätzlichen Werte des Buen Vivir sind Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit. Es strebt nach einer Gesellschaft ohne
Elend auf der einen und ohne Überfluss auf der anderen Seite. Zur Erreichung dieses sozialen Gleichgewichts bedarf es
einer Umverteilung: Alle sollten mit dem mindestens Notwendigen versorgt sein und ein Leben in Würde führen können.
Die Befriedigung der Grundbedürfnisse Aller steht im Vordergrund. Es geht also weniger um die individuelle Lebensqualität
Einzelner, sondern vielmehr um den sozialen Zusammenhang in der Gemeinschaft.
Die Rechte der Natur
Die linksorientierten Regierungen von Ecuador und Bolivien haben den Begriff des Buen Vivir in ihren Verfassungen
verankert. In Ecuador ist es sogar als zentrales Verfassungsziel aufgeführt. Es beinhaltet z.B. das Recht auf Ernährung,
Gesundheit, Erziehung und Wasser. Darüber hinaus definieren sie die Natur als ein Subjekt, welches Rechte hat. Als
konkrete Politikmaßnahme in diesem Zusammenhang ist die Yasuní-Initiative der ecuadorianischen Regierung zu sehen:
Ecuadors ehemaliger Minister für Energie und Bergbau, Alberto Acosta, hat 2007 der internationalen Gemeinschaft
angeboten, die Ölfelder in einem Regenwaldgebiet unberührt zu lassen, wenn Ecuador dafür Ausgleichszahlungen erhält.
Leider ist bis heute kein Land bereit, entscheidende Summen als Ausgleich zu zahlen.
Die Ideen des Buen Vivir wurden auch von vielen westlichen Initiativen aufgegriffen, die sich kritisch mit der überkommenen
Wachstumsdoktrin auseinandersetzen und nach Alternativen suchen. Durch die Diskussionen über das Buen Vivir in
unterschiedlichsten Kontexten sind die Auffassungen davon und die daraus entstandenen Konzepte sehr vielfältig.
Quellen:
Fatheuer, Thomas: „Buen Vivir – Eine kurze Einführung in Lateinamerikas neue Konzepte zum guten Leben und zu den
Rechten der Natur“, Heinrich Böll Stiftung – Schriften zur Ökologie Band 17, 2011.
Acosta, Alberto, übersetzt von Birgit Hollenbach: „Buen Vivir auf dem Weg in die Post-Entwicklung – Ein globales Konzept?“,
in: Rätz, W., von Egan-Krieger, T. u.a. (Hrsg.): Ausgewachsen! – Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben.“
VSA-Verlag, Hamburg, 2011.